MZ Sommertour 2025

Wir schreiben den 30. August 2025. Hinter uns liegt ein Sommer, der wettertechnisch eher durchwachsen war, und auch der Blick auf die kommenden Wochen verheißt wenig Stabilität. Doch Prognosen sind bekanntlich geduldig – und für die Oldtimerbande aus Tangermünde kein Grund, das alljährliche Ritual infrage zu stellen. Die Sommertour findet statt. Punkt.

Kurz vor der vereinbarten Uhrzeit treffen wir uns am Startpunkt. Da die Route gen Westen führt, sind Poldi und Detlef direkt in Tangermünde aufgebrochen, Manuel stößt ein paar Kilometer weiter westlich dazu. Dort stehen sie nun nebeneinander: drei Maschinen, drei Fahrer, ein gemeinsames Ziel. Zweitakt in Reinform.

Die Reisegarnitur besteht in diesem Jahr aus zwei MZ ES 150 (Baujahre 1966 und 1968) sowie einer MZ ES 175/2 von 1972. Letztere hat Manuel seiner ES 150 von 1969 aus Komfortgründen vorgezogen – eine weise Entscheidung, denn vor uns liegen nicht nur ein paar Landstraßenkilometer, sondern ziemlich genau 1.100 Kilometer.

Gegen 9:00 Uhr setzt sich die Gruppe in Bewegung. Bereits eine halbe Stunde später erreichen wir den ersten Zwischenstopp: den verlassenen Bahnhof in Kalbe (Milde). Einst ein wichtiger Knotenpunkt der altmärkischen Kleinbahn, ist er heute Ruine und Zeitzeuge zugleich. Bröckelnder Putz, leere Fenster, viel Geschichte. Wir inspizieren die zugänglichen Bereiche dieses Lost Places gründlich, dann geht es weiter – konsequent nach Westen.

Gegen 11:00 Uhr überqueren wir bei Wittingen die ehemalige innerdeutsche Grenze. Wenig erinnert an die Grenze, nur eine Hinweistafel und ein alter Plattenweg. Ab hier führt uns die Route für mehrere Tage durch Niedersachsen. Durch die Lüneburger Heide halten wir uns an einen bewährten Rhythmus: etwa alle 30 Kilometer eine kurze Pause. Um 12:30 Uhr erreichen wir das Deutsche Panzermuseum in Munster. Die Exponate beeindrucken – technisch wie historisch. Wir betrachten sie mit Interesse, aber auch mit Demut. Gerade in geopolitisch fragilen Zeiten.

Der Nachmittag zeigt sich spätsommerlich warm. Unser erstes Tagesziel liegt im Nordwesten. Gegen 16:30 Uhr erreichen wir den Heidkrug in Kirchlinteln. Ein Glücksfall: Die Zimmer sind von außen zugänglich, die Motorräder stehen direkt vor den Türen. Nach dem „Abdampfen“ lassen wir den Abend in der Gaststätte ausklingen – bei deftiger Küche, kühlen Getränken und den Geschichten von Wirtin Ilona, vorgetragen in ihrer unverwechselbaren Art. Naja – und dass beim Freibier „zufällig“ das MHD fehlt haben wir doch glatt nicht bemerkt.

MHD?
Freibier hat kein MHD!

Ostfriesland ruft!

Am 31. August brechen wir nach einem kräftigen Frühstück erneut auf, wieder Richtung Westen. Südlich an Bremen vorbei, durch Orte wie Syke, Garrel und Friesoythe, erreichen wir unseren ersten größeren Stopp: die Meyer-Werft in Papenburg. Wir haben Glück. Die Disney Destiny liegt bereits außerhalb des Docks und kann aus nächster Nähe betrachtet werden – ein gewaltiger Anblick. Der Himmel bleibt bedeckt, doch es bleibt trocken. Sonnenbrandgefahr besteht keine.

Von Papenburg geht es weiter Richtung Ostfriesland, unserem eigentlichen Reiseziel. Wir folgen der Ems nordwärts, passieren Leer – das Tor Ostfrieslands – und erreichen über das Emssperrwerk schließlich Emden. Ein Foto vor dem Otto-Huus ist Pflicht, ebenso ein Fisch- oder Krabbenbrötchen. Küstennähe verpflichtet.

Das Wetter hellt auf, und wir fahren weiter zum Campener Leuchtturm, dann – als Tageshighlight – zum Pilsumer Leuchtturm, bekannt aus „Otto – Der Außerfriesische“. Entsprechend gut besucht ist der Deich. Wir spazieren entlang der Kante, blicken über das flache Land und stellen erneut fest, mit welcher Konsequenz die Ostfriesen ihre Landschaft über Jahrhunderte geformt haben. 😉

Nach über 200 Kilometern an diesem Tag gönnen wir uns ein Sonnenbad auf dem Deich. Sechzig Jahre alte Motorräder hinterlassen Spuren – nicht an den Maschinen, sondern an den Fahrern. Umso willkommener ist die Unterkunft: das Hotel „Zum großen Krug“. Matjes, frisch gezapftes Bier und ein trockener Stellplatz in der Scheune runden den Tag ab. Letzteres erweist sich am nächsten Morgen als Vorteil.

Das trockene und warme Nachtquartier

Regen, Museen und Nordseeküste

Der 1. September beginnt mit ostfriesischem Originalwetter: Regen, Wind, kühle Temperaturen. Nach einem ausgiebigen Frühstück beobachten wir das Regenradar und verschieben die Abfahrt um 30 Minuten. Doch mit rund 250 Kilometern vor uns bleibt wenig Spielraum. Also Regenkombi an und los.

In Regenkombi am Auto und Spielzeugmuseum Norden

Die erste Etappe von Wirdum nach Norden bestätigt die Entscheidung. Nach etwa 30 Kilometern erreichen wir das Auto- und Spielzeugmuseum Norden. Drinnen erwartet uns eine ebenso interessante wie stellenweise skurrile Sammlung. Im Gespräch mit einem Museumsmitarbeiter – deutlich jenseits der 80 – erfahren wir viel über die Ausstellung. Und wir merken: Über MZ weiß man hier im Westen erstaunlich wenig. Trotzdem ließ sich das eine oder andere Ost-Exponat entdecken.

Der Regen lässt nach, die Regenkombis bleiben im Gepäck. Entlang der Nordseeküste, vorbei an Bensersiel, Neuharlingersiel und Harlesiel, erreichen wir Wilhelmshaven. Im Deutschen Marinemuseum tauchen wir in die Geschichte der deutschen Marine ein und klettern über den Zerstörer Mölders.

Anschließend umrunden wir den Jadebusen, durchfahren den Wesertunnel – auf alten Maschinen ein durchaus mulmiges Erlebnis – und verlassen kurz darauf wieder die Bundesstraße. Über dünn besiedeltes Gebiet erreichen wir Bremerhaven, machen noch einen Abstecher zum Freilichtbereich des Deutschen Schifffahrtsmuseums und beziehen unsere Unterkunft in der Stadt. Der Abend endet, wie er begonnen hat: gemeinsam, diesmal in einem griechischen Restaurant.

Entlang der Elbe nach Hause

Am Dienstag, den 2. September, ist klar: Der Heimweg hat begonnen. Doch zunächst geht es weiter nordwärts nach Cuxhaven. Von dort laufen wir zur Kugelbake, wo Elbe und Nordsee aufeinandertreffen. Die Elbe wird ab hier unser Kompass – sie verbindet den Norden mit dem Zuhause.

Auf dem Weg nach Cuxhaven bei den Marinefliegern

Nach einem kurzen Getränk folgen wir dem Fluss durchs Alte Land, rollen zwischen Deich und Apfelplantagen entlang. In Wischhafen legen wir einen kurzen Stopp im Küstenschifffahrtsmuseum ein, bevor wir über Stade und Jork einen weiten Bogen um Hamburg schlagen. Eine kluge Entscheidung an einem Dienstagnachmittag.

Über Buxtehude, Tötensen und Seevetal geht es weiter, Tankstopp inklusive. Später erreichen wir bei Winsen (Luhe) und Marschacht erneut die Elbe. Die Tagesetappe endet in Artlenburg. Ein alter Gasthof, gutes Essen, frisch gezapftes Bier – ein würdiger Abschluss.

Zurück in die Altmark

Mittwoch, 3. September 2025. Der letzte Tag. Nach Frühstück und einem kurzen Schnack mit den Wirtsleuten folgen wir weiter der Elbe, über Bleckede und Dahlenburg bis nach Dömitz. Dort besichtigen wir die Reste der alten Eisenbahnbrücke – zerstört im Zweiten Weltkrieg, nie wieder aufgebaut. Der Skywalk bietet einen stillen, nachdenklichen Blick auf Geschichte und Landschaft.

Danach wird das Terrain vertraut. Durch das Alandgebiet, vorbei an Seehausen, erreichen wir über die Wische schließlich wieder Tangermünde. Nach 1.100 Kilometern, einer Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp 52 km/h (reine Fahrzeit) und rund 21 Stunden auf dem Motorrad endet die Tour.

Fünf Tage, drei Maschinen, viele Eindrücke. Es war erneut eine intensive, ereignisreiche Reise. Und während die Motoren verstummen, steht eines bereits fest: 2026 kann kommen.